Wischiwaschi [17/2013]

Vordergründig ist Fotografie das “einfache” Standbild und Video das tolle bewegte Bild. Doch richtig gute Fotos zeichnen sich dadurch aus, daß sie einen Moment der Bewegung einfangen und so viel plastischer darstellen können.

Bewegungsunschärfe macht Bewegung sichtbar.

Bewegungsunschärfe macht Bewegung sichtbar.

Oft nimmt man dies nur bei Nachtaufnahmen wahr, weil dort durch Lichtmangel und lange Belichtungszeiten dieser Effekt zwangsläufig auftritt, während tagsüber oft kurze Verschlußzeiten Bewegungen automatisch “einfrieren”.

Doch auch tagsüber kann man mit langen Belichtungszeiten Bewegungen bewußt sichtbar machen, man muß allerdings einen Kniff anwenden: Da man die ISO-Zahl nicht beliebig verringern kann (selten unter ISO 100/21 DIN) und eine stark geschlossene Blende oft ungewollt viel Schärfentiefe bringt, muß man das Licht künstlich verringern. Dies macht man mit sog. ND-Filtern (ND = neutrale Dichte). Im Rahmen eines Praxistests mit einem Graufilter mit variabler Dichte setze ich mich mit dem Thema systematisch auseinander.

Das Bild aus meiner umfangreichen Testreihe entsteht mit dem in der Skala aufgetragenen Maximalwert (grob geschätzt ND16) bei Blende 8 und 1/4 s Belichtungszeit (ISO 125/22 DIN). Weil die Fahrzeuge auf der Autobahn vergleichsweise schnell unterwegs sind, reicht dies für einen Wischeffekt, der die Bewegung ausreichend deutlich macht, das Auto aber erkennbar läßt. Die vielen Linien — Mittelstreifen, Fahrbahnmarkierungen — verleihen dem Bild eine zusätzliche Dynamik. Zufällig ergibt sich auch eine schöne Farbkombination, die nicht “geshopped” ist. Auch sonst stelle ich in Lightroom nur Farben und Kontrast ein.

Bei einem zweiten Versuch mit Windrädern, die bei einer starken Brise zwar deutlich drehen, reicht diese Zeit nur dazu aus, die Bewegung lediglich anzudeuten (zumal bei anderen Einstellungen ein fieser Farbstich und Interferenzmuster auftauchen). Die Szene muß ich mit neuem Equipment wiederholen, denn bei wirklich langen Zeiten stellt sich ein interessanter Effekt ein. Häufig versucht man Bewegung durch besonders kurze Belichtungszeiten sichtbar zu machen, diese Methode funktioniert genau andersherum und erinnert damit ein wenig an Zeitraffer.

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