Geometrie der Kulturlandschaft [08/2013]

Habe ich schon erwähnt, daß das Wischiwaschi-Wetter meinem Projekt nicht gerade förderlich ist? Neben hinderlichen Sachzwängen ergeben sich einfach auch seltener ungeplante Möglichkeiten. Und wenn man viel Zeit in geschlossenen Räumen verbringt, zieht es einen immer wieder in die Natur (oder zumindest “Kulturlandschaft”).

grafische Bearbeitung

Geometrie der Kulturlandschaft.

Zu Anfang interessiert mich die Geometrie der Saatreihen und der auffälligen Fahrtspuren. Mit einem prägnanten Baum am Ende einer solchen Reihe habe ich auch einen Fluchtpunkt. Um eine optische Verdichtung zu erreichen, verwende ich mein Telezoom bei der Einstellung 105 mm (entspricht etwa 160 mm Vollformat) bei Blende 8 mit 1/250 s (ISO 200/24 DIN). Soweit habe ich schonmal gutes Ausgangsmaterial. Doch wenn ich mir das “normal” bearbeitete Bild ansehe, fehlt das gewisse Etwas…

Mit etwas gemischten Gefühlen entschließe ich mich zu einer etwas drastischeren Bildbearbeitung. Dabei darf man nicht vergessen, daß man damit aus einem schlechten Bild nicht mit Effekthascherei ein tolle Foto machen kann. Man kennt dies vielleicht, wenn im Bekanntenkreis jmd. Photoshop “entdeckt” und die gruseligsten Fehleinstellungen von Belichtung und Kontrast als kreative “Bildbearbeitung” verkauft. Ich sehe dies im Rahmen meines Umstiegs von Photoshop zu Lightroom allerdings auch als Übung für die unterschiedlichen Konzepte und Möglichkeiten.

Wie bereits erwähnt, orientiere ich mich trotz elektronischer Bildbearbeitung an den “traditionellen Methoden der Dunkelkammer”. Alle Bearbeitungsschritte werden “global” auf das gesamte Bild angewandt, wenn man dies in Lightroom natürlich viel besser steuern kann. Ich möchte den grafischen Charakter weiter herausarbeiten, insbesondere das Gehölz im Hintergrund. Zunächst eine Umwandlung nach Schwarzweiß, wobei die Grauwertzuordnung über die “Schwarzweißmischung” (HSL/Farbe/S/W) wichtig für die Zuordnung der Grautöne zu den Original-Farben ist (bei PS gern über den Kanalmixer mit Häkchen bei “monochrom”). Die neuen Farben gibt es dann in der Teiltonung, wobei neben dem Farbton an sich natürlich jeweils die Sättigung als auch der Abgleich eine Rolle spielen. Leider zeigt sich dabei wieder einmal, daß der Eindruck bei solch fein nuancierter Farbabstimmung deutlich vom Monitor abhängt (in meinem Fall direkter Vergleich zwischen IPS- und TN-Panel — muß ich mir wohl noch einen zweiten IPS anschaffen).

Der Horizont/Himmel wird über einen Verlaufsfilter wie mit Abwedeln/Nachbelichten korrigiert. Probeweise spiele ich auch den anderen Reglern — wegen des Lerneffekts — und bin überrascht, daß ausgerechnet der manuelleWeißabgleich die vorm weißen Himmel stehenden Ästchen überhaupt erst sichtbar macht und das Gehölz besonders gut herausarbeitet (da müßte man sich eigentlich nochmal die Blau- und Gelb-Töne bei der Schwarzweißumwandlung ansehen).

Nach so umfangreicher Bearbeitung muß man das Ergebnis auch selbst erstmal sacken lassen und eine Nacht darüber schlafen — gemacht, gefällt mir immer noch. Hier isses.

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