Es war einmal… Olympia SF [2013/30]

Es war einmal, vor gar nicht allzu langer Zeit, da schreibt man Briefe von Hand. Und wer auf ein sauberes Schriftbild besonderen Wert legt oder als Journalist der schreibenden Zunft angehört, hat sogar eine Schreibmaschine zu Hause — wobei dann sehr zum Leidwesen meines Vaters gelegentlich ein Nachbar ehrfürchtig anfragt, ob er sich diese einmal leihen dürfe, wenn ein Brief ans Amt geschrieben werden müsse. Ja, so ein mechanisches Wunderwerk kann durch unsachgemäße Bedienung schnell ruiniert werden.

Typenhebel einer Olympia Schreibmaschine.

Typenhebel einer Olympia Schreibmaschine.

Das Foto entsteht im Rahmen meiner Makroversuchsreihe, bei der ich unterschiedliche Objekte unter die Lupe nehme. Es handelt sich um das Modell “SF” von Olympia, hergestellt in Wilhelmshaven, seit 1958 in Familienbesitz und noch immer voll funktionsfähig. Sogar die Gebrauchsanleitung und ein Kontrollbericht mit komplettem Schriftbild sind vorhanden. Als Reiseschreibmaschine — also Vorläufer des Notebooks — ist sie besonders handlich, verzichtet sogar auf ein paar Tasten: statt der Ziffer “1” kann man ja auch das kleine L “l” nehmen und für die Null je nach Geschmack “o” oder “O” (erst im Computerzeitalter spielt die Unterscheidung wirklich eine Rolle).

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Oma Erika [11/2013]

Mein nächstes Buch wird wahrscheinlich ein selbstverlegtes E-Book. Das heißt, ich muß mich um alles selbst kümmern, zum Beispiel auch um die Titelseite. Da sich das Buch mit dem Schreiben als Anwender im CMS WordPress beschäftigt, schweifen meine Gedanken und Experimente rund um Tastaturen von denen sich mehrere auf meinem Schreibtisch befinden — bis mir die alte Naumann Erika No. 5 auf dem Dachboden einfällt. Nein, das ist nicht eine weggesperrte Nachbarin, sondern eine mechanische Schreibmaschine in einem schönen schwarzem Blechkleid (Dresden, um 1930).

Schreibmaschine Modell Naumann Erika

Schreibmaschine Modell Naumann Erika.

Als Grundlage für die geplante Titelseite fotografiere ich die Maschine erstmal als Ganzes, spanne auch ein Blatt Papier ein, um dort später die Titelei im Buchprojekt plazieren zu können. Da ich kein “Studio” habe, arbeite ich mit natürlichem Licht, das bei einigen spätnachmittäglichen Sonnenstrahlen relativ stark gerichtet auf die Maschine scheint. Dabei kristallisiert sich für mich bald eine neue Perspektive heraus: Die Typenreihe am Ende der streng geometrischen und parademäßig senkrecht stehenden Typenhebel. Als Gegengewicht setze die Tastatur, die aus wunderbaren, runden weißen Tasten besteht, die von hellgrauem Aluminium umrandet sind. Funktional sind sie natürlich auch der Ausgangspunkt fürs mechanische Schreiben.

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