2014/04 — Mit der Lochkamera zurück zu den Wurzeln

Das letzte Wochenende im April — diesmal der 27.4.2014 — ist seit einigen Jahren traditionell Worldwide Pinhole Photography Day, Tag der Lochkamera — kurz WPPD (dieses Jahr mit Hannover-Marathon). Am diesen Tag kann man allein oder in der Gruppe “zurück zu den Wurzeln” kehren. Kein schweres Glas, kein Hightech-AF, noch nicht einmal ein helles Sucherbild.

Rapsfeld

Rapsfeld im Frühjahr.

Für versierte Nutzer besteht der Reiz natürlich auch darin, sich eine Lochkamera selbst zu basteln: Traditionell aus einem Schuhkarton mit einem Stecknadelloch vorn und einem Blatt Fotopapier hinten. Obwohl ich das analoge Fotolabor schätze, wähle ich doch den modernisierten pragmatischen Kompromiß: Die sonst mit hochwertigen Optiken verwöhnte (d)SLR wird stattdessen mit einer Lochblende ausgestattet.

Auch diese Variante läßt Spielraum für eigene Bastelei, indem man diese Blende selbst anfertigt. In den vergangenen Jahren durchbohre ich einen Gehäusedeckel (z. B. 8 mm Holzbohrer) und setze dahinter ein Stück angepikste Alufolie. Doch der Teufel steckt im Detail: Schon durchbohren ist meist zu fett und es bleibt außerdem ein Grat. Das “Geheimnis” ist ein möglichst kleines Loch ohne Ränder. Leider erreicht man mit Hausmitteln schnell das Limit und das Ergebnis bleibt unbefriedigend. Und obwohl FC-Stammtisch-Holger mir seit Jahren vorschwärmt wie dünne Bretter er in seiner Holga verspricht 0,25 mm.Laserplatinenfirma bohren kann, bleibt es leider bei der ewigen Ankündigung, nicht einmal den Ausschuß aus der Abfalltonne gibt’s für Experimente…

Holga verspricht 0,25 mm.

Dann muß eben Holga helfen, wo es neben Simpelkameras auch entsprechende “pinhole“-Vorsätze für Spiegelreflexkameras gibt. Die Ausführung ist zwar nur bedingt besser als meine eigene Bastelarbeit, die Bohrung scheint aber brauchbar und insgesamt etwas robuster (obwohl sie vermutlich nicht in Metall ist, möglicherweise ist “Rising” diesbezüglich besser) und verspricht einen Durchmesser von 0,25 mm. Dieser Durchmesser bestimmt den Schärfebereich ab ca. 5 cm, der Abstand zur Sensorebene die Brennweite (geschätzt etwa 45 mm).

Landmaschine

Landmaschine am Feldrand.

Dann geht es los, Stativ und Fernauslöser sind Pflicht. Mit einer Belichtungsreihe taste ich mich bei ISO 100/21 DIN an eine durchschnittliche Belichtungszeit von 1 bis 4 Sekunden an die leuchtend gelben Rapsfelder heran. Die eher lange Belichtungszeit schränkt natürlich auch die Wahl der Motive etwas ein. Andererseits gibt es reizvolle Kombinationen, in dem ich die Bewegung der im Wind wogenden Getreidefelder der Ruhe einer am Feldrand abgestellten Landmaschine gegenüberstelle. Das hat hat die Anmutung von Langzeitaufnahmen von fließendem Wasser und Steinen in der Brandung.

Tipp: Mit den Zwischenringen aus der Makroausrüstung kann man die Brennweite verlängern. Mit 31 mm des größten Ringes (Belichtungszeit muß ebenso verlängert werden) gibt es schon einen deutlichen Tele-Effekt.

Das gesamte Bild ist weichgezeichnet und hat eigentümliche Farben, was sicherlich auch den Reiz dieser Art der Fotografie ausmacht. Es zeigt sich, daß die Schärfe mit zunehmender Entfernung subjektiv etwas nachläßt. Und noch eine Erkenntnis bekomme ich: Durch die große Schärfentiefe werden auch kleine Kleine Verschmutzungen auf dem Sensor.Verschmutzungen auf dem Sensor sichtbar, was bei normalen Fotos zum Glück kein Problem ist.

Kleine Verschmutzungen auf dem Sensor.

Bilder mit einer Lochkamera bzw. Lochblende sind bewußt “unperfekt”. Deshalb ist die Frage, inwieweit man die typischen Mängel im Rahmen einer Nachbearbeitung wieder retuschiert. Trotz Blindflug ist der Bildausschnitt in Ordnung. Ich passe lediglich die allgemeine Belichtung an und bei einigen Aufnahmen einen zu hellen (weißen) Himmel. Bei hellen Flächen ist dies mit Fleißarbeit zum Ausflecken der Schmutzpartikelchen mit der Bereichsreparatur in Lightroom verbunden (und trotzdem übersieht man immer welche).

Strohballen mit Ähre.

Strohballen mit Ähren.

Bis zum 31. Mai 2014 hat man noch Zeit die Bilder auf der WPPD-Galerie hochzuladen. Einsendungen zum WPPD 2014. (Quelle: WPPD)Ehrensache, daß sie a) mit einer Lochkamera bzw. Lochblende und b) an diesem Tag gemacht wurden.

Einsendungen zum WPPD 2014.
(Quelle: WPPD)

Wer dieses spezielle Wochenende verpaßt hat, kann natürlich das ganze Jahr über üben. Vielleicht läßt sich ja mit einer Laser-gebohrten Lochblende tatsächlich noch etwas mehr herausholen. Bewegungen durch längere Belichtungszeiten sichtbar zu machen wird vermutlich Thema eines weiteren Projekts sein.

German Autobahn am Sonntag

German Autobahn on Sunday.

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