Es war einmal… Olympia SF [2013/30]

Es war einmal, vor gar nicht allzu langer Zeit, da schreibt man Briefe von Hand. Und wer auf ein sauberes Schriftbild besonderen Wert legt oder als Journalist der schreibenden Zunft angehört, hat sogar eine Schreibmaschine zu Hause — wobei dann sehr zum Leidwesen meines Vaters gelegentlich ein Nachbar ehrfürchtig anfragt, ob er sich diese einmal leihen dürfe, wenn ein Brief ans Amt geschrieben werden müsse. Ja, so ein mechanisches Wunderwerk kann durch unsachgemäße Bedienung schnell ruiniert werden.

Typenhebel einer Olympia Schreibmaschine.

Typenhebel einer Olympia Schreibmaschine.

Das Foto entsteht im Rahmen meiner Makroversuchsreihe, bei der ich unterschiedliche Objekte unter die Lupe nehme. Es handelt sich um das Modell “SF” von Olympia, hergestellt in Wilhelmshaven, seit 1958 in Familienbesitz und noch immer voll funktionsfähig. Sogar die Gebrauchsanleitung und ein Kontrollbericht mit komplettem Schriftbild sind vorhanden. Als Reiseschreibmaschine — also Vorläufer des Notebooks — ist sie besonders handlich, verzichtet sogar auf ein paar Tasten: statt der Ziffer “1” kann man ja auch das kleine L “l” nehmen und für die Null je nach Geschmack “o” oder “O” (erst im Computerzeitalter spielt die Unterscheidung wirklich eine Rolle).

Wie schon bei der Erika aus Dresden beeindruckt mich das komplexe Zusammenspiel der sorgfältig ausgetüftelten Typenhebelmechanik sowie die Schrifttypen, die mit hoher Präzision filigran aus einem Stück in Metall gefertigt sind und die Buchstaben eben nicht aus Nadelstichen, Tintenklecksen oder Pülverchen zusammentackern (und es keine Comic Sans gibt…). Diesmal gehe ich etwas mehr ins Detail, so daß nicht nur die erhabenen Buchstaben gut zur Geltung kommen, sondern auch der Zahn der Zeit in Form von Abrieb des Textilfarbbandes oder Papierstaub. So wird allerdings auch das Schriftbild wiederum besser hervorgehoben.

Zum Einsatz kommt das Makroobjektiv Tamron 60mm/f2,0, das in diesem Fall ohne Zwischenring o. ä. auskommt und in diesem Bild etwa den Abbildungsmaßstab 1 : 1 erreicht. Die Kamera ist auf ein Stativ mit Einstellschlitten montiert, was nicht nur die Ausrichtung erleichtert, sondern auch die Belichtungszeit von 1 s bei Blende 16 ermöglicht (ISO 100/21 DIN). Das auch schon im Original monochrom erscheinende Foto wird bei der Bearbeitung in Lightroom in manueller Kontrolle zu schwarzweiß umgewandelt. So kommt die metallische Anmutung besser zum Ausdruck und nicht zuletzt die Assoziation mit Druckerschwärze.

Related Posts :

  • Gute Fotos haben auch etwas mit Geduld und Ausdauer zu tun. So verabreden wir uns schon zum vergangenen Wochenende, um wie fast jedes Jahr einen Spazie ...
  • Seit letztem Jahr greife ich immer Mal wieder zu meinem mehr als 20 Jahre alten 50-mm-M42-Objektiv und entdecke dieses "Normalobjektiv" für mich neu. ...
  • Spätsommer heißt in der norddeutschen Tiefebene auch Heideblüte. Manches Wochenende marschieren scharenweise die Touristen ein, um nach Kutschfahrt, Ka ...

Leave a Reply