Schwanengesirre [41/2012]

In der Natur des Projektes “52 Pic[k]s — jede Woche ein neues Foto” liegt es, daß die Bilder ganz unterschiedliche Themengebiete streifen. Diesmal ist es ein eher schlichtes Foto fliegender Schwäne.

Schwäne im Anflug

Schwäne im Anflug.

Wie so oft ist es die Geschichte dahinter, die das Foto bemerkenswert macht — und welche andere ermutigen soll zu fotografieren, statt sich über das “richtige” Vorgehen am Stammtisch von den großen Theoretikern belehren zu lassen. Denn bei einem Spaziergang in der Nähe eines Sees höre ich auf einmal ein sirrendes Geräusch hinter mir. Ich drehe mich um, und sehe eine Gruppe Schwäne auf mich zufliegen. Einen Moment zögere ich noch, greife dann aber doch ohne weiter nachzudenken in die Fototasche, denn in dieser Situation ist es egal, ob man nicht doch das Tele draufsetzt oder einen “besseren” Standort aufsuchen könnte. Wer jetzt nicht handelt, wird eine so günstige Gelegenheit kaum wieder bekommen.

Gut, daß die Kamera nicht ausgeschaltet, sondern nur im Ruhemodus ist. Gut, daß sie schon beim ersten Drücken des Auslösers nicht nur aufgeweckt wird, sondern gleich startklar ist und bei Bedarf sofort auslöst. Dies ist das erste von drei Bildern und es ist gerade im Rahmen des reflexartigen Vorgehens ein Volltreffer: Obwohl mir nur 85 mm (135 mm KB-Äquivalent) zur Verfügung stehen, sind die Vögel nicht nur gut erkennbar, sondern ich erwische auch eine gute Flügelposition und die Sonne leuchtet außerdem durch das Gefieder, so daß sie sehr plastisch wirken. Das Bild entsteht bei Blende 5,6 und ISO 100 (21 DIN).

Leider erwische ich von der Gruppe nur drei, wobei einer so weit vorweg fliegt, daß mir der Abstand zum rechten Bildrand etwas zu knapp wird. Ich überlege, ob ich von Lightroom doch zu Photoshop wechsele und entweder den einzelnen Schwan etwas nach links versetze oder wenigstens rechts etwas Himmel “dranstricke”. Auch die stattliche Anzahl von Hochspannungsdrähten scheint mir auf den ersten Blick etwas zuviel… Gerade bei so klar abgegrenzten Objekten vor einem fast gleichmäßigen Hintergrund ist eine entsprechende Bearbeitung nur eine Sache von Minuten. — Ich lasse es. Denn so entstehen die “perfekt” langweiligen Bilder, bei denen viel zu oft der Hinweis “Montage” bzw. “Composing” fehlt!

Stattdessen “strecke” ich das Bild, indem ich es unten etwas beschneide und in Richtung Panorama-Format bringe. Dabei unterstreichen die zu schwarzen “Linien” gewordenen Leitungen sogar die Dynamik des Fluges.

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