Baum der Jahreszeiten — oder: aus 700 mach’ 4.

Erst ist es einfach nur ein Baum, der frei auf einer Wiese steht und deshalb eine schöne organische Form herausbildet. Und dann komme ich nach dem sonntäglichen Besuch bei den Eltern bei einem Verdauungsspaziergang immer öfter daran vorbei.

Der Baum der Jahreszeiten.

Der Baum der Jahreszeiten.

Es entwickelt sich eine Idee…

(M)eine Kamera habe ich immer dabei und am frühen Nachmittag gibt es fast immer eine schöne Lichtstimmung. So entstehen nebenbei immer ein paar schöne Aufnahmen, nicht nur vom Baum. Mit der Zeit bemühe ich mich immer um den selben Aufnahmestandpunkt und ähnliche Bildeinstellungen (in der Regel 35 mm, ca. 55 mm KB).

In Lightroom werden die Bilder automatisch in chronologisch sortierte Verzeichnisse importiert. Damit ich immer alle Bilder vom Baum in der gewünschten Perspektive im Blick habe, lege ich gleichzeitig eine Sammlung an. Das schöne in Lightroom ist, daß durch diese Sammlung keine Duplikate entstehen, weil dabei nur ein Verweis auf die Datenbank generiert wird (im Handling wirkt es aber wie ein separates Foto). Das spart nicht nur Speicherplatz, sondern sorgt auch dafür, daß bei einer Bearbeitung nicht unterschiedliche Versionen entstehen. Alternativ könnte ich über Schlagwörter auch eine Smart-Sammlung verwenden, doch die erzielt in diesem Fall zu viele unerwünschte Treffer. Die manuelle Sammlung enthält bis heute gut 700 Bilder, die smarte kommt auf rund das Doppelte.

Die Qual der Wahl

Aus dieser Menge möchte ich nun vier für die Jahreszeiten repräsentative Aufnahmen herausfiltern. Dabei muß ich darauf achten, daß einerseits die Jahreszeit, andererseits der Bildausschnitt paßt. Dazu wähle ich die Sammlung aus, die dann wie ein Filter in der Bibliotheksansicht (Katalog, Leuchtpult) nur diese Bilder anzeigt. Über den Bibliotheksfilter in der Kopfzeile bzw. [Strg][L] grenze ich die Auswahl ein. Die Idee, einfach die blaue Markierung aus meinem Projekt “52pics” zu verwenden geht nicht ganz auf, weil ich sie ja nach anderen Aspekten ausgesucht habe. Also moderat auf “3 Sterne und mehr” filtern, was die Anzahl ungefähr halbiert. Ich gehe nochmals durch die Bewertungen, ändere einige und wechsele auf “4 Sterne”, was die Anzahl nochmals verringert.

Die engere Auswahl aus 700 Bildern.

Die engere Auswahl aus 700 Bildern.

Ich möchte allerdings die generelle Bewertung nicht allein diesem Projekt unterordnen und ändere meine Strategie, um weiter zu sieben: Bilder die grob in Frage kommen, werden in die temporäre Sammlung [B] übernommen (darauf achten, daß sie bisher leer ist), denn um eine temporäre Zusammenstellung geht es. Es bleiben gut 40 Motive, wobei ich viele ähnliche Bilder habe, bei denen es jetzt darum geht, wie gut sie jeweils zum Rest passen. Dann in die temporäre Sammlung wechseln und dort Bilder mit [B] rauswerfen.

Am Ende habe ich die vier Bilder gefunden — doch wie konserviere ich das Suchergebnis, da noch eine Bearbeitung folgen soll. Eine separate Sammlung halte ich für nur vier Bilder für übertrieben, außerdem sollen sie in der regulären Sammlung als Auswahl präsent bleiben. Ich weise ihnen deshalb folgende Eigenschaften zu:

  • blaue Markierung
  • fünf Sterne
  • und — nicht zuletzt aus praktischen Gründen — virtuelle Kopie

Danach läßt sich — bei meiner Bewertungsstrategie — gut filtern, wenn auch möglicherweise noch einige wenige Bilder dazu kommen.

Bearbeitung in Lightroom

Da ich das Motiv ja bereits für andere Projekte verwendet habe, steht für mich fest, daß ich die Einzelaufnahmen quadratisch haben möchte. Das geht problemlos in der Freistellungsüberlagerung [R] über das Ausklappmenü Seitenverhältnis und das arretierte Schloß daneben. Das Ausrichten ist kniffelig, aber es gibt neben den eingeblendeten Hilfslinien noch einen Trick — wenn du einen zweiten Monitor verwendest: Die vier Bilder ausgewählt lassen. Dann kannst du eines im Entwickelnmodul bzw. der Freistellung bearbeiten, während das Zwischenergebnis nicht nur in der Übersicht auf dem zweiten Monitor angezeigt wird, sondern gleichzeitig einen Vergleich zu den anderen Bildern ermöglicht (das ist außerdem wesentlich effektiver als die exklusive Referenzansicht der CC-Version seit LR 2015.8). Dabei kann der Freistellungsmodus die ganze Zeit aktiv bleiben, auch wenn du zu einem anderen Bild wechselst.

Ein Baum in unterschiedlichen Jahreszeiten.

Der Baum in den unterschiedlichen Jahreszeiten.

Danach erfolgt die Bearbeitung der Belichtung. Auch hier erlaubt die Übersicht auf dem zweiten Monitor einen direkten Vergleich der Bilder und eine perfekte Abstimmung. Abschließend erfolgt der Export in höchster JPG-Qualität. Die Funktion Bearbeiten in… Photoshop öffnet (bei mir) nicht mehrere Bilder gleichzeitig, außerdem möchte ich die Einzelbilder gern in einem Projektverzeichnis übersichtlich sammeln.

Bearbeitung in Photoshop

Da ich Bildbearbeitung aus fotojournalistischer Sicht betreibe, komme ich in 99 Prozent der Fälle mit Lightroom aus. Auch in diesem Fall könnte ich die Zusammenstellung der vier Bilder über eine Druckvorlage auch direkt aus Lightroom auf einem Blatt zu einer Collage verschmelzen. Eine zusätzliche Beschriftung ist mit Mogrify möglich.

Anordnung der Bilder in Photoshop.

Anordnung der Bilder in Photoshop.

Wie oben beschrieben hat die gesamte Bildbearbeitung bereits in Lightrom stattgefunden, Photoshop dient mir hier nur für die Anordnung auf einem Blatt im Format 3 : 4, eine weitere Bearbeitung ist nicht erforderlich (du kannst also auch jedes andere Programm verwenden). Ich lege die Collage in zwei Varianten an: Einmal wie die Einzelbilder als Quadrat sowie außerdem als “Rechteck” im Format 3 : 4 mit einem kleinen Textteil für den Titel und einen kleinen Infotext.

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